Beispiele

Beispiele praktischer Abläufe

  1. Auffällige Laborbefunde: Leukozytose

Im Rahmen einer routinemäßigen Laboruntersuchung fällt eine Vermehrung der weißen Blutkörperchen auf. Dies kann vielfältige Ursachen haben, von einer harmlosen Normwertabweichung bis zu einer lebensbedrohlichen akuten Leukämie.

In dieser Situation erhalten Sie zunächst einen Labortermin, da ohne ausführliche Spezialdiagnostik einer weitere Zuordnung grundsätzlich nicht möglich ist. Soweit nicht von Ihrem Hausarzt bereits mitgeteilt, erstellen wir zunächst ein so genanntes Differenzialblutbild (Klassifizierung der Untergruppen der weißen Blutkörperchen), um danach die erforderliche Spezialdiagnostik veranlassen zu können: z.B. Immunzytologie (Charakterisierung der Abstammung/Zuordnung der auffälligen weißen Blutkörperchen) und/oder Zytogenetik (Nachweis von Genigenschaften, die für bestimmte Erkrankungen und deren Therapie typisch bzw. erforderlich sind).

Die Ergebnisse liegen in der Regel nach spätestens zehn Tagen vor, so dass wir ein bis zwei Wochen nach dem Labortermin einen Sprechstundentermin vereinbaren können, um die Ergebnisse zu besprechen und gegebenenfalls weitere Untersuchungen veranlassen oder auch die Notwendigkeit einer Behandlung klären zu können.

2 . Durchfall

Jeder länger als vier Wochen anhaltende Durchfall sollte Anlass zu einer Ursachenklärung sein. Hier müssen in erster Linie immer Erkrankung des Magen-Darm-Trakts, in zweiter Linie Durchfallerkrankungen aus anderer Ursache geklärt bzw. ausgeschlossen werden, so dass in der Regel zunächst eine Magen- und/oder Darmspiegelung einschließlich Entnahme von Gewebeproben erforderlich ist. Je nach Beschwerdebild und bereits vorliegenden Untersuchungsbefunden erfolgen direkt am Tag der Endoskopie ergänzende Laboruntersuchungen. Oft lässt sich die Diagnose direkt durch die Endoskopie stellen und nach der Untersuchung direkt besprechen, andernfalls liegen die Gewebe-und Laborbefunde nach ca. einer Woche vor und erlauben dann, eventuell erforderliche weitere Maßnahmen einzuleiten.

  1. Endoskopie

Endoskopie bedeutet die direkte Untersuchung des oberen und unteren Verdauungstraktes (Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm bzw. Dickdarm und Endabschnitt des Dünndarms) mit einem steuerbaren, flexiblen Schlauchsystem (Endoskop), das auf elektronischem Wege die Darstellung des Magen-Darm-Trakts auf dem Monitor (inklusive erforderlicher Vergrößerung) ermöglicht. Magen-und Darmspiegelung können auch zusammen in einem Untersuchungsgang erfolgen.

Für die Magenspiegelung genügt es, nüchtern die Praxis aufzusuchen. Für die Darmspiegelung ist eine Vorbereitung des Darms erforderlich, da verständlicherweise nur nach kompletter Entleerung des Dickdarms eine exakte Diagnostik möglich ist. Magen- und Darmuntersuchung sind sog. invasive Untersuchungen, die daher mit einem bedeutsamen, wenn auch sehr geringem, Risiko verbunden sind. Sie erhalten daher vor den Untersuchungen Aufklärungsbögen, in denen wir über die Vorbereitungsmaßnahmen, den Untersuchungsablauf, Risiken und Komplikationen aufklären und Sie nach Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme usw. fragen. Zur Vorbereitung für die Coloskopie (Dickdarmspiegelung) bitten wir Sie, einige Tage vor dem Untersuchungstermin unserer Praxis aufzusuchen, um den Untersuchungsablauf besprechen, Ihnen die erforderlichen Vorbereitungsmedikamente aushändigen und ein Arztgespräch durchführen zu können.

In der Regel erfolgt die Endoskopie unter Sedierung (Sie schlafen), so dass die subjektive „Belästigung“ minimal ist, da Sie von den Untersuchungen nichts spüren. Sollten wir Veränderungen, zum Beispiel Polypen, im Dickdarm, finden, so werden diese in derselben Sitzung sofort behandelt.

Eine wichtige Unterformen der Coloskopie ist die Vorsorgeuntersuchung (für Männer ab 50, für Frauen ab 55 Jahren ). Hier geht es darum, auch bei gesunden und beschwerdefreien Menschen Darmpolypen, die sich zu Darmkrebs entwickeln können, frühzeitig zu entdecken und zu entfernen – ca. 20 Prozent gesunder Menschen, die zur Vorsorgeuntersuchung kommen, haben solche Polypen. Das Risiko für Darmkrebs kann durch die Vorsorgeuntersuchung nachgewiesenermaßen massiv gesenkt werden.

  1. Lymphknotenvergrößerung

Mitunter zufällig, manchmal auch nach längerer Vorerkrankung fallen ein oder mehrere vergrößerte Lymphknoten, zum Beispiel im Halsbereich, auf. Die Ursachen sind ähnlich vielfältig wie bei den oben erwähnten erhöhten Leukozytenzahlen. Immer ist eine umfangreiche Abklärung erforderlich, um harmlose von bösartigen Veränderungen sicher unterscheiden zu können.

Erst-Maßnahme sind wieder die speziellen Laboruntersuchungen sowie die Sprechstunde mit ausführlicher Erhebung der Vorgeschichte und der so genannten klinischen Befunde. Dies muss häufig, aber nicht immer, durch Röntgenuntersuchungen, oft auch durch eine Analyse des Knochenmarks (Knochenmarkspunktion, da viele Lymph- und Bluterkrankungen dort ihren Ausgangspunkt nehmen) weiter abgeklärt werden. Eine definitive Diagnosestellung ist daher erst nach Durchführung und Vorliegen aller erforderlichen Untersuchungen möglich, kann daher eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen und erfordert sowohl von ihnen wie auch von uns manchmal  etwas Geduld.

  1. Chemotherapie

Nach Diagnose einer bösartigen Erkrankung sowohl des Blutes wie der Organe besteht oft die Notwendigkeit zu einer medikamentösen Behandlung entweder als alleinige Maßnahme oder auch in Kombination mit Operation und/oder Strahlentherapie. Ziel der Chemotherapie ist dabei eine Zerstörung der bösartigen Zellen, die hierfür erforderlichen Medikamente erreichen die betroffenen Gewebe über den Blutweg (dies gilt sowohl für Tabletten- wie Infusionstherapien gleichermaßen). Wirkprinzip der Chemotherapie ist, dass bestimmte Stoffwechselwege, die für Zellteilung und Wachstum von Tumoren erforderlich sind, gehemmt oder ausgeschaltet werden sollen. Soweit diese Vorgänge auch für die Funktion gesunder Gewebe erforderlich sind, können an den gesunden Geweben ebenfalls Störungen eintreten. In aller Regel haben gesunde Gewebe aber eine höhere Regenerationskraft und Toleranz gegenüber einer Chemotherapie als kranke Gewebe, so dass aus dieser Differenz eine bevorzugte Effektivität der Chemotherapie an Tumorgeweben resultiert. Dies ist auch einer der Gründe dafür, warum Chemotherapien in bestimmten Abständen („Zyklen“) verabreicht werden, deren Dauer unter der Regenerationszeit der Tumorzelle liegt, so dass diese sich nicht mehr ausreichend erholen können.

Neben den Chemotherapien gibt es heutezutage eine zunehmende Vielzahl so genannter zielgerichteter Therapien, die nicht allgemeine Stoffwechselwege blockieren, sondern gezielt an nur im Tumor vorhandenen Stoffwechseleigenschaften angreifen und dadurch eine sehr spezifische Behandlung, auch mit dem Ziel, systemische Nebenwirkungen zu vermeiden, ermöglichen. Ein drittes wichtiges Standbein der heutigen Tumortherapien ist die Gabe von Antikörpern, Eiweißmolekülen, die spezielle Oberflächeneigenschaften, die (nur) für Tumoren typisch sind, erkennen und dadurch entweder direkt zur Tumorzerstörung führen oder es dem körpereigenen Immunsystem ermöglichen, die Tumorzischtzellen viel effektiver zu beseitigen oder die Empfindlichkeit von Tumorzellen für eine begleitende Chemotherapie zu erhöhen.

Praktisch gibt es sowohl als Tabletten einzunehmende wie – in wesentlich größerem Umfang – als Infusionen zu verabreichende Tumormedikamente. Die Art der Gabe ist für die Wirksamkeit eigentlich unbedeutend, auch eine orale Therapie, also Tabletten, entfalten ihre Wirkung im gesamten Körper und sind daher nicht anders einzustufen und zu beurteilen als die übrigen Tumortherapien.

Häufig werden mehrere Tumormedikamente miteinander kombiniert, da sich durch eine Kombination verschiedener Angriffspunkte die Wirksamkeit der Therapie steigern lässt. Insbesondere Infusionstherapien werden in sogenannten Zyklen verabreicht, also in bestimmten wiederkehrenden Intervallen, die von der Art der Medikamente und deren erprobten besten Verabreichungsformen abhängen, infundiert. Durch moderne sogenannte Begleitmedikamente können viele Chemotherapie-Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Therapie-bedingte Übelkeit, ganz vermieden oder zumindest erheblich gemildert werden, so dass die Nebenwirkungen der Chemotherapie zumindest für viele Patienten heutezutage nur noch vergleichsweise gering sind.

Jede Tumortherapie erfordert regelmäßige Überwachungen. Wir bestimmen daher zum Beispiel grundsätzlich vor jeder Therapiegabe die Blutbildwerte direkt in der Praxis, da Normabweichungen zu vermeidbaren Komplikationen führen können, und überwachen auch regelmäßig die Organfunktionen, um mögliche Nebenwirkungen rechtzeitig erkennen und darauf reagieren zu können. Darüber hinaus sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen („Staging“) erforderlich, um die Wirksamkeit auf den Tumor überprüfen und gegebenenfalls die Therapie neu ausrichten zu können. Diese Zwischenuntersuchungen können in reinen Labormaßnahmen, häufig aber auch in Röntgenuntersuchungen (CT, MR) bestehen und werden je nach Erkrankung in der Regel alle zwei bis drei Monate einmal durchgeführt.